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Mit der Hand schreiben ist so 2009…

…  oder setzt 2019 nostalgische Gefühle frei und sorgt für Entschleunigung

 

„Was Du mit der Hand schreibst, bleibt.“

 

Will heißen, wer mit der Hand schreibt, merkt sich den Inhalt besser; denn beim Schreiben werden Verknüpfungen im Gehirn geschaffen, die für das Denken grundlegend sind. Dabei sind zwar die ersten sechs Lebensjahre wesentlich, wer aber jetzt denkt, er habe unter Umständen schon zu viel verpasst, den können wir beruhigen. Auch im weiteren Verlauf schult das Schreiben mit der Hand die Feinmotorik. Hirnforscher untersuchen seit Jahren die positiven Auswirkungen des Schreibens mit der Hand auf das Gehirn (und den Lernvorgang). Schreibbewegungen sind bei der Formung von Buchstaben viel differenzierter als das Tippen auf einer Tastatur – hier müssen zwar auch feinmotorische Fertigkeiten vorliegen, jedoch in viel geringerer Ausprägung als bei Schreibbewegungen für unterschiedlichste Buchstaben.

 

Wer erinnert sich noch an das kunstvolle Fertigen von Spickzetteln? Immer komprimierter hat man – so habe ich es mir sagen lassen 🙂  –  die relevanten Informationen auf immer kleinere Flächen gebracht – und dabei eigentlich alles, was auf dem Zettel stand, durchs Schreiben verinnerlicht. Et voilá: Was man schreibt, bleibt – fest verankert im Gedächtnis.

Beim Schreiben kombiniert man Sprache mit Feinmotorik (Muskelkraft) und trainiert gleichzeitig sein Gedächtnis …. die Strukturen, die dadurch im Gehirn gebildet werden, sind auch für mathematische Operationen, für das Erlernen von Sprache, für alles, was das Gehirn lernen und leisten können soll, essentiell.

Also – üben, üben, üben – eine schöne Methode des kunstvollen Schreibens ist das Lettering. Hier wird nicht im herkömmlichen Sinne geschrieben, sondern die Buchstaben, wie in der Kalligraphie, gemalt. Jeder Buchstabe – mit Geduld und Sinn für Ästhetik.

Das ist ein schöner Kontrast zur Digitalisierung; als Ergänzung, nicht als Gegenströmung.

Mit dem Stift zu schreiben, stellt also keine bloße Dokumentation dar, sondern ist bereits Teil des Lernprozesses. Wir verinnerlichen und filtern erste Informationen, wenn wir mit der Hand schreiben. Das funktioniert, indem man eine Struktur, einen Raum „baut“: steht das Behaltene oben links oder unten rechts auf der Seite? Wir setzen in unserem Gehirn alles in sinnvolle Zusammenhänge. Verbinde ich meine Stickpunkte noch mit Pfeilen, Linien, Symbolen (Mindmap & Co.), schaffe ich schneller einprägsame Strukturen, so bestätigt es Henning Beck (Neurobiologe/Hirnforscher).

Für alle Vielschreiber hat der Neurowissenschaftler noch einen Tipp fürs bessere Zeitmanagement: Das Notieren von Stichwörtern ist besser, weil man sich noch stärker darauf konzentriert, den Kern zu erkennen und festzuhalten.